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Mehr qualifizierte pädagogische Fachkräfte für Kitas

„Für die Landesregierung ist die Frühkindliche Bildung von besonderer Bedeutung“. Mit diesem Satz zitierte die Kultusministerin Heiligenstadt, in ihrer Rede in der Plenumssitzung des Niedersächsischen Landtags im Juni 2014, Ministerpräsident Weil.
Es geht um die Verbesserung der Personalstandards für Krippengruppen die auf eine Forderung der Kita-Volksinitiative zurückgeht. Inzwischen liegt in Niedersachsen ein Stufenplan vor. Der Bund übernimmt die Finanzierung des BAföG, sodass ein Teil der freiwerdenden Mittel für den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung aufgewendet wird.

Beginnend mit dem 01.01.2015 und mit der genannten Unterstützung durch das Land Niedersachsen wird es für jede Krippengruppe mit 11 Kindern möglich eine sogenannte „Dritte Kraft“ einzustellen. Im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung unter dem Titel „Zukunftsoffensive Bildung“ ist ein Stufenplan für die Jahre 2015 bis 2020 vorgelegt worden. Hierin sind pro Jahr um drei Stunden aufsteigend (von 20 Wochenstunden in 2015 auf 32 Wochenstunden in 2019 und 40 Wochenstunden in 2020 ff.) Finanzhilfen für eine zusätzliche Betreuungszeit festgelegt, das wertet die GEW als einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

 

Allerdings handelt es sich zunächst nur um eine halbe „Dritte Kraft“. Das entspricht im Jahr 2015 laut Stufenplan einer Ausbauquote von 55-60% (Anteil der Gruppen).
In der „Zukunftsoffensive Bildung“ wird zudem von Betreuungszeit gesprochen, woraus sich bereits der enge Rahmen der Finanzierung erkennen lässt. Zur Betreuung von Kindern einer Krippengruppe mit 11 Kindern werden 2015 demnach lediglich Mittel für eine halbtags beschäftigte Sozialassistentin bereitgestellt.
Als sogenannte „Dritte Kraft“ werden auch in Krippen allerdings gar keine Assistenzkräfte benötigt, da diese den umfangreichen Qualitätsanforderungen nicht gerecht werden können. Diese Arbeit kann ausschließlich von einer Erzieher_in, einer Kindheitspädagog_in oder in inklusiven Gruppen einer Heilerziehungspfleger_in oder einer Heilpädagog_in geleistet werden. Pädagogische Arbeit ist auch in der frühkindlichen Bildung nicht teilbar. Betreuung, Erziehung und Bildung bilden eine Einheit die nicht teilbar ist, will man sich nicht der Gefahr eines zunehmenden Qualitätsverlustes aussetzen.


Wie wird sich die „Zukunftsoffensive Bildung“ auswirken?

Ab 2015 werden Kommunen entlastet, die Freien Trägern und für kommunale Einrichtungen bereits zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt haben. Hier existieren bereits Krippengruppen, die mit drei qualifizierten Fachkräften besetzt sind. Werden diese Stellen weitergeführt, bleibt lediglich der Differenzbetrag auszugleichen. Weitere Investitionen wie beispielsweise die Zahlung des gleichen Entgelts für alle Fachkräfte unabhängig einer vom Arbeitgeber vorgenommenen Rangfolge wie 1., 2. und 3. Fachkraft auf Grundlage von Tarifverträgen wäre dann endlich der Normalfall.

Bleibt ein bitterer Beigeschmack überall dort, wo Kommunen sich ein solches Vorgehen schlichtweg nicht leisten können und daraufhin Bildungschancen beschnitten werden.
Hier werden sicherlich Sozialassistent_innen angeworben und eingestellt, die dann aufgrund einer 50%-Beschäftigung entweder einen Zweitjob benötigen oder mit etwa 600 Euro Entgelt bereits berechtigt sind, ergänzende Hartz-IV-Grundsicherung zu beantragen. Über zukünftige Altersarmut wollen wir an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber sprechen.

Ein weiteres Problem tritt mit dem bereits bestehenden und sich fortsetzenden Fachkräftemangel in Erscheinung.  Ohne eine deutliche Aufwertung aller Berufsfelder der Sozialen Arbeit wird selbst ein begrüßenswertes Modellprojekt wie „Mehr Männer in KiTas“ keine nennenswerten Erfolge verzeichnen können.
Außerdem muss zwischen Fachschulen, Fachhochschulen und Hochschulen ein zukunftsweisender Dialog beginnen. Hier steht das neue Profil der Ausbildung, mittels Studiengängen für die Bildung, Betreuung und Erziehung im Kindesalter auf Bachelor- und Masterebene, zur Debatte. Für die Professionalisierung von Frühpädagogen müssen gleichrangig genügend Lehrkräfte ausgebildet werden.


Bleibt die Frage, ob und wie dieses Szenario noch ins Positive zu wenden wäre?

Eine Möglichkeit sieht die GEW darin, eine berufsbegleitende Qualifizierung von Sozialassistent_innen zur Erzieher_in zu ermöglichen. Zum einen wäre damit ein kleiner Beitrag gegen den bereits bestehenden Fachkräftemangel geleistet und zum anderen könnten freie und kommunale Träger in absehbarer Zeit über qualifizierte Fachkräfte verfügen. Durch die praktische Erfahrung vorbereitet, ständen Sozialassistent_innen mit einem qualifizierten Abschluss nach drei Jahren viele Arbeitsbereiche der Sozialen Arbeit offen. Das entspricht einer echten Win-Win Situation für alle Beteiligten und wird in diesem Teilbereich zu einer Maßnahme der „Zukunftsoffensive Bildung“, die diesen auch Namen verdient.

All das bedarf selbstverständlich einer abgesicherten Finanzierung. Es liegt auf der Hand, dass die benötigten Finanzmittel für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Bildung und Erziehung weder durch Sparen noch durch Bremsen jeglicher Art bereitgestellt werden können. Der für unsere Gesellschaft lebensnotwendigen Verantwortung zur Gewährleistung von gleichen Bildungschancen müssen sich insbesondere die Unternehmen und Unternehmer stellen, die immer noch viel Geld investieren, um möglichst wenig an den Staat zurückgeben zu müssen.

Darüber hinaus begrüßt die GEW die Initiative, die Ministerpräsident Weil und Kultusministerin Heiligenstadt am 27.11.2014 vorgelegt haben, worin mittels konkreter Analysen und Verbesserungsvorschlägen für eine „Gesamtstaatliche Bildungsstrategie“ die Forderung nach gemeinsamer Verantwortlichkeit von Bund, Ländern und Gemeinden formuliert wurde.

 

Aktuelle Informationen zum TVöD:   www.gew.de/EGO

Aktuelle Informationen zum TV-L:   www.gew.de/Tarifvertrag_der_Laender.html


Olaf Korek
Referat Jugendhilfe und Sozialarbeit